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Mündliche Abiturprüfung: Ablauf, Bewertung und Nachprüfung

Die mündliche Abiturprüfung ist für die meisten das letzte Stück des Abiturs: im vierten oder fünften Prüfungsfach, als Präsentationsprüfung – oder als mündliche Zusatzprüfung („Nachprüfung“) in einem schriftlichen Fach. Hier siehst du, wie sie abläuft, wie sie in deine Abiturnote eingeht und wie viele Punkte du in einer Nachprüfung brauchst.

Rechner: mündliche ZusatzprüfungSchriftliches Ergebnis zählt doppelt, die mündliche Prüfung einfach.

5Punkte im Fach
(2 × 3 + 9) : 3

In Block II: 20 statt 12 Punkte (+8)

Für 5 Punkte im Fach brauchst du mündlich mindestens 9 Punkte.

Wie die Prüfung in deine Gesamtnote eingeht, rechnest du im Abi-Rechner für dein Bundesland aus. Nach der Berechnung kannst du unter „Was wäre, wenn …?“ jede Prüfung mit einem Schieberegler durchspielen.

So läuft die mündliche Abiturprüfung ab

Die Länder regeln die Details selbst, die Grundlage ist aber überall die Vereinbarung der Kultusministerkonferenz (KMK) zur gymnasialen Oberstufe. Danach gilt in der Regel:

  • Vorbereitung: etwa 20 Minuten in einem separaten Raum. Du bekommst die Aufgabe schriftlich und darfst dir Notizen machen.
  • Prüfung: etwa 20 Minuten, meist in zwei Teilen – erst stellst du deine Lösung im Zusammenhang vor, dann folgt ein Prüfungsgespräch, das auch andere Themen aufgreift.
  • Stoff: Die Aufgaben dürfen sich nicht auf ein einzelnes Halbjahr beschränken und keine Wiederholung der schriftlichen Prüfung sein.
  • Prüfungsausschuss: Prüfende Lehrkraft, eine Person für das Protokoll und ein Vorsitz. Am Ende wird die Punktzahl (0–15) festgelegt und dir meist direkt mitgeteilt.
  • Gruppenprüfungen sind möglich, wenn die Leistung jeder einzelnen Person erkennbar bleibt.

Präsentationsprüfung und besondere Lernleistung

In einigen Ländern kann die fünfte Prüfungskomponente eine Präsentationsprüfung sein – etwa in Berlin, Hamburg oder Niedersachsen. Du bereitest dann vorab ein Thema vor, präsentierst es mit Medien und wirst anschließend dazu befragt. Auch eine besondere Lernleistung (zum Beispiel eine Facharbeit oder ein Wettbewerbsbeitrag) kann als Prüfungskomponente zählen; sie wird ebenfalls mündlich verteidigt. Welche Formen es bei dir gibt, steht auf der Seite deines Landes im Abi-Rechner unter „So wird gerechnet“.

So zählt die mündliche Prüfung in der Abiturnote

Alle Prüfungen zusammen bilden Block II der Gesamtqualifikation. Jede Prüfung wird gleich gewichtet – egal ob schriftlich oder mündlich:

PrüfungsfächerFaktor je PrüfungHöchstwert Block IIMindestens
5× 4300 Punkte100 Punkte; 3 Prüfungen mit mind. 5 Punkten, davon eine auf erhöhtem Niveau
4× 5300 Punkte100 Punkte; 2 Prüfungen mit mind. 5 Punkten, davon eine auf erhöhtem Niveau

Ein Punkt mehr in der mündlichen Prüfung bringt dir also 4 (bzw. 5) Gesamtpunkte. Rund 18 Gesamtpunkte machen eine Zehntelnote aus – wie viele Punkte du für welche Note brauchst, zeigt die Punktetabelle.

Mündliche Zusatzprüfung (Nachprüfung)

In den schriftlichen Prüfungsfächern kann zusätzlich mündlich geprüft werden. Je nach Land meldest du dich freiwillig dafür an, oder die Schule setzt die Prüfung an – zum Beispiel, wenn du sonst die Bestehensregeln für Block II verfehlen würdest, und in manchen Ländern auch, wenn das schriftliche Ergebnis deutlich von deinen Kursnoten abweicht. Die Anmeldefristen sind kurz, meist wenige Tage nach Bekanntgabe der schriftlichen Ergebnisse.

Schriftliche und mündliche Prüfung werden im Verhältnis 2 : 1 zusammengerechnet: Ergebnis = (2 × schriftlich + mündlich) : 3. Das Ergebnis geht dann wie jede andere Prüfung mit Faktor 4 (bzw. 5) in Block II ein. In den meisten Ländern wird dabei gerundet, in Rheinland-Pfalz abgeschnitten.

schriftlichmündlich nötig für 5 Punkte im Fach*Ergebnis mit 15 Punkten mündlich
0155,0 (20 Punkte in Block II)
1135,67 (23 Punkte in Block II)
2116,33 (25 Punkte in Block II)
397,0 (28 Punkte in Block II)
477,67 (31 Punkte in Block II)

* gerechnet mit 5 Prüfungsfächern (× 4) und kaufmännischer Rundung des gewichteten Ergebnisses, wie im Rechner oben.

Wichtig: Die Zusatzprüfung kann dein Ergebnis auch verschlechtern. Wer schriftlich 9 Punkte hat und mündlich nur 3 schafft, landet bei (18 + 3) : 3 = 7 Punkten. Eine freiwillige Nachprüfung lohnt sich deshalb vor allem, wenn du im Mündlichen deutlich besser bist als in der Klausur – oder wenn sie nötig ist, um zu bestehen.

Tipps für die Vorbereitung

  • Wiederhole den Stoff aller Halbjahre, nicht nur das Thema der letzten Klausur.
  • Übe, eine Aufgabe in 20 Minuten zu lösen und frei in 8–10 Minuten vorzustellen – am besten mit Uhr und vor Publikum.
  • Gliedere deinen Vortrag sichtbar: Einleitung, Lösungsweg, Ergebnis. Fachbegriffe bringen Punkte.
  • Frag deine Lehrkraft nach den Schwerpunkten und alten Aufgabenformaten der Schule.
  • Im Gespräch gilt: Nachfragen ist erlaubt. Lieber kurz überlegen als raten.

Wann die Prüfungen in deinem Land stattfinden, steht bei den Abiturterminen 2027. Mehr zur Vorbereitung auf alle Prüfungen findest du unter Abiturvorbereitung.

Häufige Fragen

Wie lange dauert die mündliche Abiturprüfung?

In der Regel etwa 20 Minuten, dazu kommen etwa 20 Minuten Vorbereitungszeit. Präsentationsprüfungen können etwas anders aufgebaut sein.

Kann eine mündliche Nachprüfung meine Note verschlechtern?

Ja. Weil schriftlich und mündlich im Verhältnis 2 : 1 zusammengerechnet werden, sinkt dein Ergebnis, wenn du mündlich schlechter bist als schriftlich. Probier es oben im Rechner aus.

Wie viele Punkte brauche ich in der mündlichen Prüfung zum Bestehen?

Das hängt von deinen anderen Prüfungen ab. Für Block II brauchst du insgesamt mindestens 100 Punkte und in mindestens drei (bei vier Prüfungsfächern: zwei) Prüfungen 5 Punkte. Im Abi-Rechner siehst du nach der Berechnung genau, welche Bedingungen du schon erfüllst.

Wann erfahre ich, ob ich in die Nachprüfung muss?

Kurz nach den schriftlichen Prüfungen bekommst du deine Ergebnisse. Zusammen damit erfährst du, ob eine mündliche Zusatzprüfung angesetzt ist, und bis wann du dich freiwillig melden kannst.